Das stetige Hochwasser in Venedig

Venedig sinkt, das weiß fast jeder Besucher der Stadt. Sobald der Wasserstand 110 cm überschreitet, heißt es in Venedig „Acqua Alta“, also „Hochwasser“. Aber wie schlimm ist das Problem überhaupt, und ist wirklich Eile geboten, um die Stadt noch in nicht überschwemmten Zustand zu sehen?
Immer wieder gab es Nachrichten, wonach das Sinken nur ein vorübergehender Trend sei, es wurden Studien angelegt und Maßnahmen ergriffen, welche die Stadt vor dem „Ertrinken“ retten sollen, verschiedene Häuser stabilisiert, Kanäle vorübergehend trocken gelegt, etc. Auch ein Damm mit Fluttoren, das Planprojekt nennt sich MO.S.E. (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) vor der Lagunenstadt ist bereits in Arbeit.
Man weiß heute, dass Venedig im Schnitt pro Jahr etwa 20 mm nach Osten und etwa 18 mm nach Norden „wandert“, und das heißt Bewegung. Doch wie stark sinkt sie?
Um das herauszufinden, wurden von amerikanischen Forschern eine Handvoll GPS Positionen sowie Tausende von Radarsatellitenpunkte fixiert. Heraus kam, dass Venedig im Jahr etwa 1-2 mm sinkt. Im vergangenen Jahrhundert sank Venedig etwa 25 cm, so dass man davon ausgehen kann, dass der Trend anhält. Die NASA Klimatologin Vivian Gornitz schätzt, dass Venedig Ende des 21 Jahrhunderts um 26-53 cm gesunken sein wird.
Für den Besucher Venedigs heißt das zweierlei: die Wahrscheinlichkeit, dass Venedig in einigen Jahren mit einer Fülle von Hochwassern kämpfen muß, ist hoch. Schon heute ist es ratsam, Gummistiefel im Gepäck mitzunehmen. Auf dem Markusplatz stehen Laufstege parat, die jedes Jahr unzählige Male aufgebaut werden, wenn der Platz unter Wasser steht. Auch Hauseingänge werden bisweilen durch die Fluten unpassierbar. Ob und wie Venedig es schafft, den Fluten Herr zu werden ist noch nicht klar. Klar ist nur: es muß etwas gemacht werden, denn die Hochwasser beschädigen nicht nur den Tourismus, sondern greifen vor allem die Gebäude der Stadt an.